Gut durch den Winter kommen

Ich liebe es, wenn mir Leute Anfang Sommer bei Alltagsverrichtungen einen schönen Sommer wünschen. Die «Migros»-Verkäuferin beispielsweise. Oder der Versicherungsberater. In solchen Momenten flirrt die Luft vor Verheissung. Im Winter funktioniert das nicht in gleicher Weise. Ich persönlich kann mir unter einem «schönen Winter» nämlich nicht allzu viel Grossartiges vorstellen. Was eventuell daran liegen mag, dass ich eine Winterflüchtige bin – rein theoretisch, zumindest. Im Moment müsste ich nämlich – ­rein theoretisch – vor einem kleinen Strohhäuschen irgendwo über einer Klippe in Südgoa sitzen, wo ich auf meinem tragbaren Laptop diese Zeilen schreibe, um gegen Abend eine Runde im Meer zu schwimmen und nach dem Eindunkeln am Strand ein paar selbst gefangene Fische über dem Feuer zu braten (ich esse zwar keinen Fisch, aber es passt so schön ins Bild). Im Stillen gratuliere ich jedem, der nicht nur davon träumt, sondern sich sein Leben tatsächlich so eingerichtet hat. Es gibt Orte auf dieser Welt, wo es jetzt gerade Sommer ist. Nur schon der Gedanke daran ist erfrischend. 

Gestern hat mich doch tatsächlich zum ersten Mal die gloriose Erkenntnis gestreift, dass sich die Menschen in Süd- und Mittelamerika, die ja katholisch sind und Weihnachten feiern wie wir, enorm über die Weihnachtsgeschichte wundern müssen. Schliesslich handelt sie von schlotternden Hirten, wolligen Schafen und eisigkalten Nächten. Die Ärmsten können sich ja gar nicht richtig in die Geschichte hineinversetzen! Zum Glück wohne ich in einem kalten Land, wo mir die Weihnachtsgeschichte noch richtig plastisch vor Augen geführt wird. Ich wohne sozusagen in der Kulisse. Und da ich ein krankhaft positiv denkender Mensch bin, fallen mir sogar noch weitere Gründe ein, warum ich froh bin, in einem kalten Land zu wohnen: Der Mäntel wegen nämlich. Denn Mäntel sind meiner Meinung nach richtig schicke Kleidungsstücke und es würde mir rein modetechnisch äussert schwer fallen, meinen Mantel gegen einen Bikini eintauschen zu müssen. Mäntel sind elegant, machen etwas her und sind für jeden Anlass geeignet. Ja der Winter selbst ist der Anlass für das Tragen eines Mantels! Zu Ehren des Wintergottes. Für Frauen im Speziellen eignet sich der Mantel, weil er meistens tailliert ist und deshalb schön geschwungene Picasso-Hüften betont. Ausserdem fühlt es sich einfach gut an, sich in den wärmenden Mantel zu kuscheln. Wenn wir schon niemand haben, der uns ein bisschen Körperwärme abgibt, können wir wenigstens auf unsere Mäntel zurückgreifen. Selbstbefähigung, heisst das magische Wort. Und wir haben noch gar nicht von den Feministen-Mänteln dieser Welt gesprochen! Feministen-Mäntel sind feuerrot und man fühlt sich so wahnsinnig gut und selbstbewusst darin. Ich weiss, wovon ich spreche. Auch ich gehöre manchmal zu den Rotmantelfrauen.

Kommen Sie gut durch den Winter.

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