An der alten Landstrasse

Raus aus der Komfortzone!

Wenn uns dieses Jahr etwas gelehrt hat, dann wie sich ein Leben ausserhalb der Komfortzone anfühlt. Spricht man von dieser Komfortzone, ist sie ja oft eher symbolisch zu verstehen. Menschen haben sich mit ihren ureigenen Gewohnheiten, Lebenseinstellungen und Meinungen eingerichtet und wollen nicht davon abweichen – ausser es kommt ein Ereignis, das sie dazu zwingt. Wie Corona.

Die geistige innere Komfortzone bedeutet auch: Ganz genau zu wissen, wie sich etwas gehört. Als Deutschlehrerin ist mir zum ersten Mal aufgefallen, dass ich vielleicht kein ausgeprägter Routine-Mensch bin. Im „Frühstücks-Modul“ erzählten meine Student*innen immer mit Begeisterung von ihrer massgeschneiderten Frühstücks-Routine und ich bekam den Eindruck, dass es sich gehört, eine solche zu haben. Bis mich dann mal jemand gefragt hat, was denn mein Frühstück typischerweise ausmache. Da geriet ich in Verlegenheit, denn: Es ist einfach nicht jeden Tag gleich! Warum sollte es jeden Tag gleich sein? Ich habe doch nicht jeden Tag Lust, das Gleiche zu essen.

Ein bisschen Pipi Langstrumpf
Ach, meine lieben Amazonen: Seid ich in die Welt hinausgegangen bin, wird mir bewusst, was euch so wohltuend von so vielen anderen Menschen unterscheidet: Eure Unkompliziertheit. Meine Freundinnen sind grosse Improvisationskünstlerinnen. Keine von uns kennt starre Regeln, die sie auch noch selbst aufgestellt hat. Warum auch? Und irgendwie sind wir da ziemlich allein. SIND WIR EINFACH ETWA ALLE ETWAS PIPI LANGSTRUMPF ODER WAS?

Regeln scheinen sehr vielen Menschen sehr viel zu bedeuten. Doch mir persönlich hat die geistige Komfortzone nicht viel zu bieten, dafür bin ich viel zu interessiert an Abwechslung und Weiterentwicklung. Denn wenn man etwas über die Komfortzone sagen kann, dann: Meist ist sie ein nettes Wort für Stillstand.

Ein Feuer im Wald

Auch an der Alten Landstrasse tut man sich gerade schwer mit dem Verlassen der Komfortzone. La Fabs wird bald 33 und wir machen ein Feuer – draussen! Ich freue mich darauf wie ein kleines Kind, aber für den grossen Kater bedeutet es einen grossen Sprung aus der Komfortzone. Eine Party? Draussen? Im Winter?, murrt der er – seines Zeichens Gamer und Stadtmensch.

Da bin ich mal wieder froh, dass ich auf dem Land aufgewachsen bin. Wir haben ganze Nächte draussen verbracht in den in unserem Kreis total angesagten, aber leider nicht ganz winddichten Helly-Hansen-Jacken unserer Väter. Auch im Winter. Weil es einfach keinen Ort gab, an dem wir als Jugendliche erwünscht waren. Der heutigen Corona-Jugend geht es da vielleicht gerade sehr ähnlich.

Ich wünsche uns gerade in der Weihnachtszeit, die für viele Menschen voller wohltuender Rituale ist, ein klares und intuitives Gefühl für das derzeit Mögliche. Die Grenzen, die uns von aussen gesetzt werden, sind vielleicht eine Chance, unsere inneren Grenzen neu zu definieren.

Vielleicht ergibt sich sogar den einen oder anderen Ausflug in eine gemässigtere Zone? Es ist ein Ort, wo man die starren Regeln endlich loslässt und sich dafür öffnet, flexibel auf den Moment zu reagieren. Ist doch keine grosse Sache. Machen wir ein Feuer im Wald. Gehen wir bei Minustemperaturen aufs Hausdach hoch über dem Zürichsee, hüllen uns in unsere Astronauten-Anzüge und rauchen unter dem Sternenhimmel eine Zigarette.

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