Einwurf-Kolumne Stadtanzeiger

Peterli – das liederliche Kraut

Die Petersilie, in Schweizerdeutsch ein bisschen bellend «Peterli» genannt, findet sich auf jedem Teller zwischen Schaffhausen und Bellinzona als Garnitur. «Peterli» ist etwas Urschweizerisches, repräsentativ für die gesamte Hausmannskost. Auf dem Schnitzel, das es zusammen mit Pommes gibt – im Volksmund auch «Schnipo» genannt – darf die Petersilie niemals fehlen. Der grasgrüne Stängel soll als Verzierung dienen, dabei spricht er unser Auge überhaupt nicht an. Er ist uns nur lästig. Mit rümpfender Nase schieben wir das Grünzeug an den Tellerrand und dort bleibt es dann liegen, bis der Teller wieder abgeräumt wird. Essen? Essen würden wir dieses Unkraut niemals. Ein Fehler, wie ich von meinen Freunden erfahren musste. Denn die unerotische Petersilie hat tatsächlich eine aphrodisierende Wirkung. Ich war regelrecht geschockt, als meine klugen Freunde mich darüber aufklärten. Ausgerechnet Peterli! Chili – kann ich mir lebhaft vorstellen, auch Nelken oder Senf regen meine Fantasie an, Schokolade oder Kaffee sowieso… aber Peterli?

Nun geht das Kopfkino mit mir durch. Ist ihre anregende Wirkung etwa der eigentliche Grund, warum die Petersilie in jeder Gaststätte zur Grundausstattung gehört wie die Streudose Aromat? Auch meine Tischgesellen, die das liederliche Kraut tatsächlich vernaschen, werde ich in Zukunft mit ganz anderen Augen betrachten: Essen sie das Blatt, weil sie es einfach nur mögen, oder weil sie sich davon eine anregende Wirkung versprechen? Mais non, uh lah lah! So viel Sexappeal hätte ich dem «Löwen» oder der «Traube» gar nicht zugetraut, dem «Wilden Mann» hingegen sehr.

Erschienen am 9.01.2008 im «Winterthurer Stadtanzeiger», leicht abgeändert

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