Autorin bleiben!

Living room dances

Late one night, we just took off our cloth and started dancing alone. It was one of these spontaneous living-room dances you have at the beginning of a relationship. On a hemp rug we twisted each other around, naked and graceless in secret, and it never happened again.

out of: Baster, Jeffrey Eugenides

Die Musik voll aufdrehen und sich dem spontanen Living-Room-Dance hingeben … ein Akt der Befreiung! Auf magische Weise setzt es Ressourcen frei, vor allem, wenn im eigenen Leben gerade nicht alles super-ausbalanciert ist. Am Tag nachdem ich erfahren habe, dass mein Freund mit seiner ehemaligen Affäre ein Kind hat, habe ich nach einer spontanen Eingebung «Lucky» von Pharell Williams aufgedreht und im Wohnzimmer wilde Tänze vollführt. Aus Trotz, dass das Leben mir eins ans Bein pinkelt. Aus Widerspenstigkeit und Eigensinn. Es war ein donnerndes, Haare schüttelndes «Jetzt erst recht!» Später ist meine beste Freundin zu mir gekommen und wir haben gemeinsam abgerockt, laut, wild und unangepasst.

Unter gewöhnlicheren Umständen ist man beim Living Room-Dance am besten allein. Die eigenen vier Wände bieten die Intimität und Geborgenheit, die man nötig hat, wenn die eigene Welt gerade in Stücke bricht, das Sich-Unbeobachtet-Fühlen zaubert mir ein Lächeln ins Gesicht und die Vorstellung, dass die Nachbarn mich sehen oder sich an der lauten Musik stören könnten, beschwört den Punk in mir herauf.

Auch beim Feuchtaufnehmen des Küchenbodens sollte man zu lauter, fröhlicher Musik tanzen und dabei den Stiel des Besens als Mikrofonständer und die Bürste als Mikrofon verwenden. Und was bleibt uns in Corona-Zeiten anderes übrig, als das ausgelassene Tanzen in die eigenen vier Wände zu verlegen? Nein, Clubs und dicht aneinander gedrängte Menschen, die Schweiss absondern, fehlen mir überhaupt nicht. Aber ich bin erstaunt und berührt über die Ressourcen in meinem Innern, die in Krisensituationen ans Licht kommen. Man kann es weder trainieren noch als selbstverständlich betrachten. Nur über den richtigen Soundtrack für meine Solo-Tänze bin ich mir noch unschlüssig.

Und die geräuschlosen Wohnzimmertänze voller Zärtlichkeit, die nur am Anfang einer Beziehung vorkommen und dann ausbleiben? Ich weiss nicht viel darüber, aber über die Begleitmusik hätte ich in dieser Situation genauere Vorstellungen. Nora Jones oder «Halleluja» von Jeff Buckley müsste es sein. Niemand weiss so gut wie ich, wie schwierig das ist: Aber mit den spontanen Living-room-Dances sollte man in einer Beziehung niemals aufhören.

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