Porträts

So jung und schon den Anker im Herzen

Der eine kaum zwanzig, der andere noch nicht dreissig: Dario Cremona und Joel Lendenmann sind die jüngsten Cruise-Enthusiasten der Branche.

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Die beiden Jungtouristiker Dario Cremona und Joel Lendenmann liefern sich seit einiger Zeit einen nicht ganz ernst gemeinten Wettstreit: Es geht darum, wer die meisten Kreuzfahrten gemacht hat. Der 19-jährige Dario Cremona arbeitet in der Kreuzfahrtabteilung von Knecht Reisen und hat bereits 25 Schiffsreisen unternommen, die erste als 10-Jähriger mit der Familie. Joel Lendenmann ist 27 Jahre alt, bei MSC Cruises angestellt und eben von seiner 54. Kreuzfahrt heimgekehrt. Diese hat ihn ans Nordkap geführt – natürlich mit MSC. «Die Stimmung auf dem Pooldeck, wenn das Schiff leise dahingleitet, das ist einfach einmalig », schwärmt er. Auf Lendenmanns Oberarm ist die Titanic eintätowiert, auch einen Anker hat er sich unter die Haut stechen lassen. Seine Ferien verbringt der Appenzeller fast ausschliesslich auf See.

IHRE FASZINATION für die grossen Schiffe beschreiben die beiden jungen Männer ganz ähnlich: Es sei faszinierend, in eine komplett andere Welt einzutauchen. Als Realitätsflucht bezeichnet es Cremona, aber auch die technischen und logistischen Aspekte einer Kreuzfahrt faszinieren ihn. Auf seinem Blog CruiseExperience stellt er neue Schiffe vor, postet Bilder und gibt sein Urteil ab. «Am meisten Interesse wecken die ganz neuen Schiffe», stellt er immer wieder fest. Das professionelle Fotomaterial packt er auch in ansprechende Instagram-Storys. Auf der Social-Media-Plattform hat er 24500 Followers. Das Wort «Influencer» kann der Aargauer nicht ausstehen. Ihm geht es darum, zu inspirieren und Leute zu erreichen, die noch nie eine Kreuzfahrt unternommen haben.

UM AUFKLÄRUNG IST AUCH Lendenmann bemüht. In seiner täglichen Arbeit bei MSC Cruises bedeutet es ihm viel, die Agenten mit seiner Begeisterung anzustecken und zu einer Kreuzfahrt zu motivieren. «Sogar meine Mutter, die wirklich eine grosse Kritikerin war, hat mich schon auf drei Kreuzfahrten begleitet », sagt Lendenmann schmunzelnd. Hochseilklettergarten, Aqua- Park, Spezialitätenrestaurant… Die Vielfalt des Bordangebots sei für viele Leute eine Überraschung. «Wer es nicht kennt, denkt oft, dass es an Bord ein Casino und ein Restaurant gibt und sonst nichts», so Lendenmann. Skepsis schlägt beiden regelmässig entgegen. Das Thema Umweltbelastung möchte Cremona weder ausblenden noch schönreden. Offenheit ist ihm dabei wichtig: Seinen Followern erklärt er, wie viel die Industrie gegen die Umweltbelastung macht, dass es in gewissen Bereichen aber auch sehr schleppend vorangeht. Einmal, beim Crash von zwei Schiffen in Venedig, hat er sich öffentlich im Internet zu Wort gemeldet. Angefeindet hingegen sei er im Netz noch nie worden. «Die Schifffahrt darf nicht auf Kosten von Natur und Mensch gehen», ist sein Grundsatz. Schliesslich sollen Cruise-Fans auch noch in 50 Jahren in den Genuss von Kreuzfahrten kommen.
Auf der Taufreise der Aida Perla konnte er übrigens ein paar Worte mit Miky Arison wechseln, VR-Präsident der Carnvial Cooperation. Cremona: «Es hat mich sehr motiviert, so einen Pionier der Industrie zu treffen.»

Erschienen im «Travel Inside», 22.08.2019

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