Porträts

Eine Familie im Bilderbuchfieber

Susette Goldschmid gibt Kinderbilderbücher im Eigenverlag heraus. Ihr neuestes Werk, «Hokus Pokus Fidibus», ist so etwas wie ein Familienprojekt.

«Wenn Sie genug wahnsinnig sind, können Sie es selber verlegen.» Das sind die Worte einer Lektorin, an die Susette Goldschmid letztes Jahr gelangte. Und sie entschied, dass sie genug wahnsinnig sein wollte. Wie damals, als sie mit ihrer dreijährigen Tochter ein Jahr lang auf Weltreise ging. Dieselbe Tochter ist heute 23 und hat sie enorm darin bestärkt, «Hokus Pokus Fidibus» zu publizieren, erzählt Susette Goldschmid. Die Familienfrau gründete also kurzerhand den Verlag Kunterbunt und fuhr mit der ganzen Kinderschar – inzwischen ist sie Mutter von drei weiteren kleinen Kindern – und ihrem Lebenspartner nach Ungarn, wo eine billige Produktion von tausend Exemplaren möglich war. Gewohnt hatten sie im Gartenhäuschen eines Verwandten, erzählt sie lachend.

«Bei uns daheim wurden immer viel Geschichten erzählt», sagt Susette Goldschmid, die in Dinhard aufgewachsen ist. Die Idee, selber Kinderbilderbücher zu gestalten, kam ihr während der Zeit, als sie als Mutter die Nächte genauso wenig durchschlief wie ihre Kinder. In einer dieser Nächte entwickelte sie die Geschichte von Selin und ihren Freunden. Selin ist eine Fee und wohnt mit ihren Freunden Brummli dem Bär, Sepp der Maus und Gwagggli dem Hasen im Wald, wo auch der Zauberer Hoktus Poktus sein Unwesen treibt. Zwanzig Illustrationen mit Farbstift sind daraus entstanden – für die ausgebildete Grafikerin und Illustratorin ein wichtiger Ausgleich zum Dasein als Familienfrau. Das kreative Schaffen habe ihr gefehlt, was sich auch gesundheitlich bemerkbar gemacht hatte. Mit der Arbeit an den Bilderbüchern hat sie eine Zyste sowie ein Überbein erfolgreich «therapiert». Die drei freien Vormittage pro Woche, an denen sie jeweils zeichnet, habe sie sich hart erkämpfen müssen. Im Moment arbeitet sie am Fortsetzungsband von «Hokus Pokus Fidibus». Den Text dazu schreibt die 41-Jährige im Zürcher Dialekt.

Den Kindern gewidmet

Ihre Kinder sind ihre besten Assistenten und ihre grössten Fans: Insbesondere die zwei mittleren sind ganz begeistert von Mamas Zeichnungen und pausen sie fleissig ab. Beim Erzählen merken die Kinder, wo die Geschichte stolpert, wo es für sie unlogisch ist. «Ich habe die Bilderbücher vor allem für meine Kinder gemacht», sagt sie. Deshalb trägt die Fee Selin auch den Namen ihrer 9-jährigen Tochter. «Die Tochter hat gerne Feen und Glitter, der Sohn hingegen eher Drachen und Zauberer». Auch auf Wünsche ihrer Sprösslinge geht Susette Goldschmid ein. Ihr 7-jähriger Sohn liebt mehrköpfige Drachen, und so hat sie im zweiten Band einen solchen eingebaut.

Verschiedene Techniken

Das zweite Kinderbilderbuch ist das Märchen der Gebrüder Grimm, «Schneeweisschen und Rosenrot». Für dieses Kinderbilderbuch kam eine ganz andere Technik zur Anwendung: Sie formte Tonfiguren, malte sie an, bastelte die Kulisse und fotografierte die einzelnen Szenen. Ein extrem aufwändiges Verfahren – denn ausser den Köpfen musste sie für jedes Bild nicht nur eine andere Kulisse, sondern auch die Körper der Figuren anders gestalten. Diese moderne Form des Kinderbilderbuchs stösst vor allem bei Erwachsenen auf Interesse, Kinder bevorzugen laut Goldschmid den Klassiker Farbstiftzeichnungen. «Ich probiere einfach gerne verschiedene Techniken aus», so Goldschmid. Irgendwann werden ihre Kinder aus dem Kinderbuch-Alter herausgewachsen sein – doch Goldschmid hat vorgesorgt. Bereits liebäugelt sie mit dem nächsten Projekt: Trickfilme. Schliesslich kommt nach dem Bilderbuch- bald einmal das Trickfilmalter.

www.verlag-kunterbunt.ch

Artikel erschienen 11. Juli 2007 im „Landbote“

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