Porträts

Das Temperament eines Traktors

Hohe Ehre: Der Winterthurer Künstler Malik Filali hat in einem Kunstwettbewerb, ausgeschrieben von Swiss Olympic, mit seiner Skulptur den ersten Preis gewonnen.

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Dass seine Tochter Jade heisst wie der grünlich schimmernde Edelstein, kann kein Zufall sein. Steine seien für ihn ebenso wertvoll wie Gold, erzählt Malik Filali in charmantem französischem Akzent. Die Vielfalt von Form, Farbe und Struktur faszinieren ihn. Am liebsten mag er Steine, die vom Wasser abgeschliffen, von den Jahrmillionen ihrer Existenz gezeichnet sind. Die schönsten findet er im Rhein bei Flims. «In ihnen spiegelt sich die Bewegung, der ewige Fluss des Lebens». Sie sind das Rohmaterial für seine Skulpturen. Anders als bei der Arbeit des Bildhauers bleibt der Stein bei Malik Filali jedoch unangetastet. «Der Stein gibt alles her, was nötig ist». Die geschwungenen Formen ergänzt er dann nur noch mit Stahl oder Eisen. So entstehen Vögel, Insekten oder Musikinstrumente. «Meine Nachbarn bringen ihre Steine im Garten vor mir in Sicherheit», sagt er vergnügt. Malik Filali lacht gern und viel. Ein künstlerischer Erfolg glückte ihm diesen Frühling: Anlässlich der Olympiade lancierte die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände, Swissolympique, ein Wettbewerb, bei dem der Künstler in der Kategorie Skulpturen den ersten Preis gewann. Die Skulptur zeigt einen Rollstulfahrer, der einem Läufer beim Sprint den Stab überreicht. Zuvor war seine Kunst bereits in Ausstellungen in Frankreich, Costa Rica, Deutschland und der Schweiz präsent.

Mit den Skulpturarbeiten angefangen hat der 41-Jährige vor fünf Jahren. Zuvor malte er ausschliesslich Acryl- oder Ölbilder. Der gebürtige Franzose bezeichnet sich als Autodidakt, eine Kunstschule hat er nie besucht, doch immer schon sei er handwerklich geschickt gewesen. Mit seiner Frau und den zwei Kindern wohnt er im beschaulichen Grundhof bei Stadel – ein Weiler, der weder mit dem Zug noch mit dem Postauto erreichbar ist. Malik Filali wohnt buchstäblich dort, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Der Rhythmus seines Lebens wird von den Jahreszeiten geprägt: Im Sommer arbeitet er vorwiegend draussen vor seiner Werkstatt, im Winter malt er im Atelier. Auf langen Spaziergängen mit seinem Schäferhund hängt er seinen Gedanken nach – ein Naturmensch war er schon immer. Doch zuerst verlief sein Leben in ganz anderen Bahnen.

In Epinal in den Vogesen geboren, zog er mit seiner Familie in ein kleines Dorf, als er zehn Jahre alt war. «Meine Familie stammt aus den Kabylen, eine Region in Nordalgerien, wo Religion und Hautfarbe schon immer sehr durchmischt waren». Seine Familie jedoch lebt bereits seit drei Generationen in Frankreich. Sein Vater war Boxer und hat die Leidenschaft für den Sport an Malik und seine Geschwister weitergegeben. Der junge Malik verlässt seine Heimatstadt und landet via Südfrankreich in Paris. Dort verkehrt er eine Zeitlang in Künstlerkreisen, trifft interessante Leute – dennoch behält er immer eine gewisse Distanz zur Welt des Scheins, Hochnäsigkeit widerstrebt ihm zutiefst. «Ich habe als Beobachter profitiert», sagt er rückblickend. Das Leben, das er heute führt, steht im Kontrast zu den Jahren in Paris. Es verläuft nun zwar in etwas gemächlicheren Bahnen, doch auch heute braucht er wenig Schlaf und ist voller Tatendrang, sobald die Sonne am Horizont aufgeht. Manchmal arbeitet er ganze Nächte durch. Als Familienmensch sind der 3-jährige Melvin und die 7-jährige Jade heute der Mittelpunkt seiner Welt. Mit dem Gedanken an seine Kinder möchte er sich als Künstler noch etwas mehr etablieren. Seine Kinder sollen stolz sein auf ihren Papa, das bedeutet ihm viel. «Ich mache seit 25 Jahren Kunst, habe jedoch nicht den Anspruch, berühmt zu werden. Aber manchmal ernte ich Erfolg, ohne es erwartet zu haben.» Seine Sternstunden stehen meistens im Zusammenhang mit Sport. Das vier Meter lange Themenbild in der Eishalle Deutweg zum Beispiel stammt ebenfalls von Malik Filali. Und dann ist da der besagte erste Preis von Swissolympique. Von einem Durchbruch will er nicht sprechen. «Ich bin Realist», wiederholt er mehrmals. Bodenständig, Terre à terre. «Ein Traktor, kein Ferrari.»

Publiziert am 15. August 2008

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