Extrembüglerin

Lasst uns Pinguine sein

Arbeiten ist schön! Trotzdem werden jungen Familien immer noch Steine in der Grösse des Gotthardmassivs in den Weg gelegt, wenn sie auf die absurde Idee kommen, Familien- und Erwerbsarbeit vereinbaren zu wollen. Im helvetischen Parlament wurden jüngst zwei Wochen bezahlter Vaterschaftsurlaub beschlossen. Der SP ist das zu wenig, sie fordert eine Elternzeit von insgesamt 38 Wochen. Bundesrätin Karin Keller-Sutter hingegen findet, zwei Wochen seien genug. «Man kann nicht alles haben», sagt die Frau mit dem Doppelnamen. Autsch. Genau das haben die Mütter meiner Generation uns unbewusst ständig zu verstehen geben: Fordere ja nicht zu viel vom Leben. Falle nicht auf. Mach dich klein.

Arbeiten ist schön. Das finden Frauen genauso wie Männer. Und sind dennoch ganz schnell bereit, ihre Karriere für Kind auf Eis zu legen. Strecken die Waffen, ohne überhaupt in den Kampf gegangen zu sein. FDP-Ständerat Andrea Caroni lässt sich von der «NZZ am Sonntag» ein starkes Zitat in den Mund legen: «Frauen sollen von ihren Partnern einfordern, was sie wollen, nicht vom Staat.»

Machen wir es doch wie die Pinguine! Pinguine teilen sich die Aufzucht der Jungen untereinander auf. Zuerst setzt sich die Pinguin-Dame auf das Nest mit dem Ei, während der Pinguin-Mann weite Strecken zu Fuss zurücklegt, um Nahrung zu beschaffen. Die gefangenen Fische verstaut er in seinem Rachen und erbricht sie seiner Angebeteten geradewegs vor die Füsse. Nachher tauschen die Pinguin-Eltern die Rollen, das Pinguin-Männchen brütet das Ei, hält es warm, und die Pinguin-Dame geht auf die grosse Reise.

Zugegeben: Könnten wir brüten, müssten wir die Debatte nicht führen. Aber unter Partnerschaftlichkeit verstehe ich mehr als zum ersten Mal überhaupt den Staubsauger zu schwingen, während sich die Partnerin von der schweren Geburt erholt. Karriere machen, Leute führen, viel Geld verdienen können Frauen heute genauso wie Männer. Ein Leben ausserhalb des Nests haben heute auch sie. Und dennoch: Von ihren Partnern Mitverantwortung einzufordern und den Papis die Aufzucht der gemeinsamen Kinder auch wirklich zuzutrauen, ist einzig Sache der Frauen. Es ist schockierend, dass junge Frauen unter vorgehaltener Hand immer noch – wenn auch ambivalente – Vorteile darin sehen, der Erwerbsarbeit zu entkommen, um sich ins Private zurückziehen. Working moms hingegen vollführen Tag für Tag einen Spagat, indem sie versuchen, Sphären zu vereinbaren, die strukturell getrennt sind. Gesellschaftlich gesehen kämen 38 frei aufteilbare Wochen Elternzeit dem Pinguin-Modell bereits sehr nah. Lasst uns Pinguine sein!

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