Wenn dein Vater oder deine Mutter stirbt, verschwindet ein Planet und der Nachthimmel wird nie wieder so aussehen wie zuvor. Es spielt keine Rolle, wie erwachsen wir sind, wenn wir sie verlieren. Und wenn beide von uns gegangen sind, ist es, als fehlte uns fortan eine Art Dach über dem Kopf – ein unsichtbarer Schutz, die erste Verteidigungslinie zwischen uns und der Sterblichkeit, verschwunden.

out of: Ann-Marie McDonald – Wohin die Krähen fliegen

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And we are not afraid to be beginners in front of each other.           Zach Klein

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Für uns, denen der Pfosten der Tür verbrannt ist,
an dem die Jahre der Kindheit
Zentimeter für Zentimeter
eingetragen waren.

Die wir keinen Baum
in unseren Garten pflanzten,
um den Stuhl
in seinen wachsenden Schatten zu stellen.

out of: Herbstzeitlosen, Hilde Domin

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Der Tod ist in der Geburt bereits enthalten. Aber eben auch die Geburt im Tod.

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Jeder der geht
belehrt uns ein wenig
über uns selber.
Kostbarster Unterricht
an den Sterbebetten.
Alle Spiegel sind so klar
wie ein See nach großem Regen,
ehe der dunstige Tag
die Bilder wieder verwischt.

Nur einmal sterben sie für uns,
nie wieder.
Was wüßten wir je
ohne sie?
Ohne die sicheren Waagen,
auf die wir gelegt sind,
wenn wir verlassen werden.
Diese Waagen, ohne die nichts
sein Gewicht hat.

Wir deren Worte sich verfehlen,
wir vergessen es.
Und sie?
Sie können ihre Lehre
nicht wiederholen.

Dein Tod und meiner
der nächste Unterricht:
so hell, so deutlich,
dass es gleich dunkel wird.

Von Hilde Domin (1909 – 2006)

Quelle: Hilde Domin (2009). Sämtliche Gedichte. Frankfurt/Main: Fischer.

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Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es an das Grab
unserer Mutter.

Hilde Domin

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